Foto: Linda Büscher

Jurybericht

Die Landesregierung Nordrhein-Westfalen veranstaltet seit 1960 alle zwei Jahre den Wettbewerb »DesignTalente Handwerk NRW« für junge Handwerkerinnen und Handwerker. Die Schirmherrschaft durch Ministerpräsident Hendrik Wüst unterstreicht die Bedeutung des Wettbewerbs für junge DesignTalente. Gemeinsam mit der Landesregierung Nordrhein-Westfalens führt der Westdeutsche Handwerkskammertag (WHKT) den Wettbewerb durch. Zum Wettbewerb »DesignTalente Handwerk NRW« 2026 wurden 149 Arbeiten eingereicht. Davon erfüllten 138 Arbeiten die Wettbewerbsvoraussetzungen. Insgesamt 51 Arbeiten wurden von der Jury für die Ausstellung ausgewählt, sechs davon wurden ausgezeichnet.

Der Wettbewerb bietet jungen Handwerkerinnen und Handwerkern die Möglichkeit, ihre Arbeiten einer breiten Öffentlichkeit sowie einer fachkundigen Jury zu präsentieren. Er macht sichtbar, welches gestalterische Potenzial im Handwerk steckt, und schafft Aufmerksamkeit für außergewöhnliche Leistungen. Gleichzeitig eröffnet die Ausstellung den Teilnehmenden die Chance, Kontakte zu knüpfen, Inspiration zu gewinnen und sich mit anderen Gestalterinnen und Gestaltern auszutauschen.

Teilnahmeberechtigt sind Handwerkerinnen und Handwerker, die nicht älter als 30 Jahre sind, einen Wohn- oder Arbeitssitz in Nordrhein-Westfalen haben und bis zum Bewerbungsschluss eine abgeschlossene Ausbildung in einem Werkbereich des Handwerks nachweisen können. Pro Bewerberin bzw. Bewerber können maximal drei Arbeiten – unabhängig vom Themenbereich – eingereicht werden. Die eingereichte Arbeit muss selbst entworfen und ausgeführt worden sein.

ANFORDERUNGEN

Bei der Beurteilung der Arbeiten stehen die handwerkliche Qualität und die gestalterische Leistung gleichermaßen im Mittelpunkt. Bewertet werden insbesondere handwerkliche Präzision, Kreativität, Ästhetik, Funktionalität, Materialgerechtigkeit sowie die fachgerechte Ausführung. Darüber hinaus fließen eine eigenständige Formensprache, die Qualität der Detailausarbeitung und das überzeugende Zusammenspiel von Handwerk, Material, Technik und Gestaltung in die Bewertung ein. Entscheidend ist die gestalterische Gesamtaussage der Arbeit.

JURY 2026

Anne Bergerfurth – Drechslermeisterin, Meisterdesignerin 
aus Raeren, Belgien
Angela Katzy – Goldschmiedemeisterin, Meisterdesignerin aus Köln
Ulla Meiners – Modedesignerin aus Düsseldorf
Hartmut Nägele – Fotograf aus Düsseldorf
Tobias Nolte – Tischlermeister, Meisterdesigner aus Arnsberg
Christine Prinze – Steinbildhauerin, Projektgestalterin HWK aus Lienen

BEWERBUNGS- UND JURIERUNGSVERFAHREN

Der Wettbewerb fand in diesem Jahr in den fünf Themenbereichen Bild- & Druckmedien, Möbel & Außenelemente, Objekt & Skulptur, Schmuck & Mode sowie Wohn- & Einrichtungskultur statt. Diese wurden für das Wettbewerbsjahr 2026 in Abstimmung mit dem Ministerium für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen (MWIKE NRW) neu strukturiert.

Die Bewerbung erfolgte ausschließlich online. Handwerkerinnen und Handwerker hatten vom 12.01.2026 bis zum 26.05.2026 die Möglichkeit, sich unter www.designtalente-handwerk-nrw.de/wettbewerb-2026 am Wettbewerb zu beteiligen.

Die Jurierung zur Teilnahme an der Ausstellung sowie die Entscheidung über die Siegerobjekte erfolgte in einem mehrstufigen, anonymisierten Verfahren. Unter allen frist- und sachgerecht eingereichten Wettbewerbsarbeiten entschied im ersten Schritt die Jury über eine digitale Bewertungsplattform mittels eines Auswahlverfahrens, welche Wettbewerbsarbeiten fachlich überzeugend waren und somit für das weitere Verfahren zugelassen wurden. Im zweiten Schritt kam die Jury in Düsseldorf in den Räumen des WHKT zusammen und entschied über die finale Zulassung zur Ausstellung und im Anschluss über die Siegerobjekte. 

Grundsätzlich ist ein Preis pro Themenbereich sowie ein möglicher Sonderpreis für eine herausragende Leistung vorgesehen. Sollte die Jury keine preiswürdige Arbeit in einem Themenbereich identifizieren, kann die Jury in begründeten Fällen bis zu zwei Preise in einem anderen Themenbereich vergeben.

Die Entscheidungen der Jury sind endgültig. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Die folgende Anzahl an Arbeiten wurde in den einzelnen Themenbereichen eingereicht:

BILD- & DRUCKMEDIEN6
MÖBEL & AUSSENELEMENTE46
OBJEKT & SKULPTUR    28
SCHMUCK & MODE    20
WOHNEN & AUSSENBEREICH40
WOHN- & EINRICHTUNGSKULTUR    38


Der Jury lagen damit 138 Arbeiten von 94 Teilnehmerinnen und Teilnehmern zur Beurteilung vor. 

Insgesamt überzeugten 51 Arbeiten von 42 Teilnehmerinnen und Teilnehmern die Jury und wurden in die Ausstellung aufgenommen. Die Arbeiten, die von der Jury mit einem Preis ausgezeichnet wurden, erfüllten die genannten Anforderungen am besten und zeichneten sich durch die hohe Eigenständigkeit der Idee aus.

Insgesamt wurden sechs Arbeiten von der Jury mit einem Preis in Höhe von jeweils 3.000 Euro ausgezeichnet:
1 Arbeit im Themenbereich MÖBEL & AUSSENELEMENTE
1 Arbeit im Themenbereich OBJEKT & SKULPTUR
2 Arbeiten im Themenbereich SCHMUCK & MODE
1 Arbeit im Themenbereich WOHN- & EINRICHTUNGSKULTUR
1 Arbeit als Sonderpreis im Themenbereich MÖBEL & AUSSENELEMENTE
 

AUSSTELLUNG

Die Ausstellung findet vom 10. bis 24. Oktober 2026 in der Handwerkskammer zu Köln, Heumarkt 12, 50667 Köln, statt.


Siegerobjekte in den Themenbereichen mit Jurybegründung

BILD- & DRUCKMEDIEN

Im Themenbereich Bild- & Druckmedien wurden in diesem Jahr sechs Arbeiten eingereicht, von denen nur eine in die Ausstellung aufgenommen wurde. Die Jury konnte in dieser Kategorie leider keinen Preis vergeben.

MÖBEL & AUSSENELEMENTE

Der Themenbereich Möbel & Außenelemente war in diesem Wettbewerbsjahr erneut am stärksten vertreten. Insgesamt wurden 46 Arbeiten eingereicht, von denen 20 in die Ausstellung aufgenommen wurden. Die Jury vergab in dieser Kategorie einen Preis.

Den Preis im Themenbereich Möbel & Außenelemente erhält Johannes Bremer für seinen Stuhl »Pokus«.

Begründung der Jury: »Wer kennt das nicht? Das Essen ist längst vorbei, das Gespräch geht weiter – und der Esszimmerstuhl wird plötzlich zum Platz für stundenlanges Sitzen. 
Dabei ist er dafür eigentlich gar nicht gemacht. Genau diese alltägliche Beobachtung bildet den Ausgangspunkt der ausgezeichneten Arbeit: ein Esszimmerstuhl mit verstellbarer Rückenlehne, der sich unterschiedlichen Nutzungssituationen – ob beim Arbeiten, Essen oder entspannten Verweilen – anpasst, ohne dabei seine klare, klassische Erscheinung zu verlieren. 

Besonders überzeugt hat die Jury, wie unauffällig die Mechanik integriert ist. Innovation wird hier nicht ausgestellt, sondern ist selbstverständlich Teil des Entwurfs. Die Reaktionen waren entsprechend eindeutig: Den möchte ich ausprobieren.«

OBJEKT & SKULPTUR

Im Themenbereich Objekt & Skulptur wurden in diesem Jahr 28 Arbeiten eingereicht. Acht Arbeiten wurden zur Ausstellung zugelassen und die Jury vergab in dieser Kategorie einen Preis. 

Den Preis im Themenbereich Objekt & Skulptur erhält Jonah Paul Schefels für sein Objekt »Kaskade«.

Begründung der Jury: »Stahl ist ein vielfältiger Werkstoff. Als Konstruktionsmaterial oder als Material für ästhetische Objekte. 

Bei der auszuzeichnenden Arbeit hat sich eine Metamorphose vollzogen. Aus einem U-Profil ist durch Einschnitte und behutsame Verformung eine filigran wirkende Plastik entstanden. Der spielerische Umgang mit dem Material spiegelt sich in der leichten Form wider. Spannend ist die Gratwanderung zwischen Klarheit, Ruhe und Dynamik. Trotz der Leichtigkeit ist die Kraft der Verformung und die eingesetzte Wärmeenergie auf der Oberfläche ablesbar. 

Der minimalistische Eingriff in das Material und das daraus entstandene dynamische Objekt hat die Jury überzeugt.«

SCHMUCK & MODE

Im Themenbereich Schmuck & Mode wurden in diesem Jahr 20 Arbeiten eingereicht. Sieben Arbeiten wurden in die Ausstellung aufgenommen und die Jury vergab in dieser Kategorie zwei Preise.

Den Preis im Themenbereich Schmuck & Mode erhält Mika Meinck für ihre Kette »Knoten.«.

Begründung der Jury: »Ein Knoten, schlicht und so gar nicht banal, liegt dieser Arbeit zu Grunde. Solche Kreuzknoten verwendet der Mensch nachweislich seit 9.000 Jahren. Ein vergleichbar junges ‚Phänomen‘: Erste Funde menschlichen Schmuckschaffens werden immerhin auf ein Alter von 72.000 Jahren datiert. 

Diese vielschichtige Arbeit erzählt uns spannende kulturhistorische Geschichten, macht Ursprüngliches spürbar. Für die Fertigung der Schmuck­serie finden sowohl analoge als auch digitale Verfahren Anwendung. Sie werden kombiniert mit Techniken des Goldschmiedehandwerks. Das ist zeitgemäß, zukunftweisend und traditionsbewusst.

Der Schmuck lädt zum Spielen ein, durch seine vielen Möglichkeiten, ihn zu tragen, je nach Stimmung, nach Anlass, nach Lust. Unaufdringlich aufgeladen ist er mit Symbolkraft, steht der Knoten doch für Zusammenhalt und Stärke. Denn nur bei dem gleichberechtigten Zusammenwirken zweier Teile, zweier Kräfte, funktioniert der Kreuzknoten und es entsteht eine tragfähige Verbindung. Diese Aussage – ein gesellschaftlich aktuell angebrachter Hinweis – wird uns in wertiger, schöner und schmückender Form vor Augen geführt.«

Den Preis im Themenbereich Schmuck & Mode erhält Luka Pieck für ihre Jacke »Skulptura«.

Begründung der Jury: »Die prämierte Arbeit überzeugt durch ihre eigenständige Formensprache und die außergewöhnliche handwerkliche Präzision, mit der die traditionelle Smocking-Technik in eine zeitgemäße, skulpturale Oberfläche übersetzt wird. 

Die bewusst reduzierte Schnittführung erweist sich dabei als konsequente gestalterische Entscheidung: Teilungsnähte werden auf das Notwendige beschränkt, sodass die plastische Textur des neu geschaffenen Materials ihre volle Wirkung entfalten kann. Die insgesamt präzise Verarbeitung ordnet sich konsequent der Gestaltungsidee unter und zeugt von einem hohen Verständnis für Konstruktion, Material und Ausführung. 

Als bewusster Gegenentwurf zur Fast Fashion steht der Entwurf für Wertigkeit, Entschleunigung und einen respektvollen Umgang mit Material und Herstellungsprozess. Die überzeugende Verbindung von traditionellem Handwerk, innovativer Materialgestaltung und zeitgenössischem Design macht die Arbeit zu einem gestalterisch wie konzeptionell starken Gesamtwerk.«

WOHN- & EINRICHTUNGSKULTUR

Der Themenbereich Wohn- & Einrichtungskultur war in diesem Wettbewerbsjahr am zweitstärksten vertreten. Insgesamt wurden 38 Arbeiten eingereicht, von denen 15 in die Ausstellung aufgenommen wurden. Die Jury vergab in dieser Kategorie einen Preis.

Den Preis im Themenbereich Wohn- & Einrichtungskultur erhält Jonas Finkeldei für seinen Beistelltisch »Vitiva«.

Begründung der Jury: »Die prämierte Arbeit hat durch ihre frische und unvoreingenommene Herangehensweise an einen ungewöhnlichen Werkstoff überzeugt. 

Besonders beeindruckend ist die neue Sichtweise auf ein Material, das hier nicht nur nachhaltig eingesetzt, sondern in seinen gestalterischen und technischen Möglichkeiten neu gedacht wird. Der ausgeprägte Forschergeist des Projekts zeigt sich darin, dass nicht bei bestehenden Verfahren Halt gemacht wurde. Neue Wege in Gestaltung, Konstruktion und Fertigung wurden gesucht und entwickelt. Aus dieser experimentellen Auseinandersetzung mit dem Werkstoff entstehen eine eigenständige Formaussage, eine unverwechselbare gestalterische Identität und ein überzeugendes Gesamtobjekt. Die prämierte Arbeit verbindet Neugier, Innovationskraft, eigenständige Gestaltung und handwerkliche Präzision auf besondere Weise. 

Das Projekt zeigt beispielhaft, wie aus der experimentellen Auseinandersetzung mit einem Material neue Wege für Gestaltung und Fertigung entstehen können.«

SONDERPREIS: MÖBEL & AUSSENELEMENTE

Die Jury hat sich auf die Vergabe eines Sonderpreises im Themenbereich Möbel & Außenelemente verständigt.

Den Sonderpreis im Themenbereich Möbel & Außenelemente erhält Lasse Hein für seine Sitzbank »Konterra/01«.

Begründung der Jury: »Mit der prämierten Arbeit entsteht ein Möbel, in dem die Materialien unmittelbar in Dialog treten. Die Eiche legt sich wie ein fließendes Band über die steinernen Tragelemente und erzeugt eine Form, die zugleich weich und präzise erscheint. Ihre fließende Bearbeitung lässt das Holz beinahe in Bewegung erscheinen und verleiht dem Objekt trotz seiner materiellen Präsenz eine überraschende Leichtigkeit. Nichts wirkt beliebig, jede Linie scheint unmittelbar aus den Eigenschaften der Materialien hervorgegangen zu sein. 

Der besondere Reiz des Entwurfs liegt im Spannungsverhältnis zwischen Feinheit und Ursprünglichkeit. Die präzisen bearbeiteten Flächen des Steins stehen der archaischen Bruchkante gegenüber, die einen Blick in die Tiefe des Materials öffnet. Sie offenbart seine innere Struktur und verweist auf geologische Entstehungsprozesse, die weit vor der Bearbeitung des Objekts liegen.

Ebenso überzeugend ist die zurückhaltende Fügung. Die Verbindung wird weder versteckt noch inszeniert, sondern erscheint selbstverständlich. So bewegt sich die prämierte Arbeit zwischen Möbel, Objekt und landschaftlichem Element.«